Politik

Deutscher sein, heiß leiden können.

Als ich Ende September 2017 auf Mallorca gewesen bin, habe ich die Gelegenheit genutzt, um Höhlentauchen zu gehen. Als der Tauchguide nach meinen Fertigkeiten fragte und meinen Taucherschein sah, sagte er zu mir: „Nach Angst im Wasser muss ich ja nicht fragen. Wer tauchen in Deutschland gelernt hat, ist Kälte und Dunkelheit ja gewöhnt.“. Was für eine treffende Metapher!

Was meine ich mit Deutscher?

Allgemein wird als Deutscher definiert, wer die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt. Ich setzt hier zusätzlich voraus, dass die Person auch ein Selbstverständnis als Deutscher besitzt. Das meine ich ungeachtet der ethnischen, religiösen oder nationalen Herkunft.

Selbsteinschatzung

Ich selber sehe mich als Deutscher. Ich bin hier aufgewachsen, meine Familie ist durch und durch Deutsch und ich habe mich schon immer als Deutscher gefühlt. Politisch sehe ich mich als Europäer. Es klingt vielleicht absult, weil Europa kein eigener Staat, sondern eine Staatengemeinschaft ist. Aber wenn ich Europa als Staat sehen würde, dann träfe auf mich am ehesten die Bezeichnung europäischer Patriot zu. Ich liebe Europa und den damit verbundenen Austausch der erschienenen Kulturen. Und ich wehre mich gegen jeden Versuch außereuropaischer Einmischung in Europa. Zum Beispiel die Sanktionierung der USA in der North Steam 2 Affäre.

Geschichtliche Identität der Deutschen

Erschreckenderweise habe ich festgestellt, wie wenig Menschen in Deutschland den geschichtlichen Hintergrund der Deutschen kennen. Die meisten Deutschen schließen hier mit einem Rückblick ins 3. Reich ab. Die Identifikation mit Deutschland ist Dank der Jahrzehnte langen Besatzung Deutschlands durch die Alliierten und der damit einhergehenden Entnazifizierung noch immer zutiefst scharmbelastet. Wer als Deutscher von Identifikation mit Deutschland spricht, der bekommt in der Öffentlichkeit schnell den Stempel „Nazi“ verpasst. Diese Einschätzung ist aus meiner Sicht nicht nur gänzlich falsch, sondern reduziert uns auch zu Unrecht auf einen geschichtlich viel zu geringen Zeitabschnitt. Wer sich für die Thematik interessiert, dem empfiele ich die Reihe „Die Deutschen„, eine Produktion des ZDF auf Amazon Prime. Ehrlich gesagt kommt bei mir schon die Galle hoch, wenn ich einen Monolog höre, der wie so oft mit den Worten „Ich bin kein Nazi, aber…“ startet. Die Tatsache das es schon beinahe eine Standardfloskel geworden ist, um der Scharmbelastung zu entgehen, wenn jemand einen Gedanken äußert, der unter anderem der rechten Fraktion zugeordnet werden kann. Schauen wir uns die Geschichte Deutschlands an, dann erkennen wir relativ leicht, dass es immer wieder äußere Interessenten waren, die ein erstarkendes Deutschland haben verhindern wollen. Das Machtgefüge sollte stets zu ihren Guten verschoben bleiben. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die deutsche Bevölkerung besonders in den Westlichen Zonen ins linke Spektrum gezwungen und der nationale Gedanke als Gift und Ursache allen früheren Übels abgestempelt. Das klingt gerade dann surreal, wenn ich bedenke, dass gerade diese Nationen (Großbritannien, USA, Frankreich) zu tiefst nationalistische Wurzeln haben.

Deutsche Identität heute

Der Zustand heute, damit meine ich die politische Situation in den verschiedenen Generationen, hat sich leider zu unseren Ungunsten verschoben. Nach dem 2. Weltkrieg existierte die Generation, die den Krieg überlebt hatte und auch die Zeit vor dem 3. Reich kannte. Der nationale Gedanke war ihnen nicht fremd. Die Generation danach die Nachkriegskinder wurden bereits zu sogenannten „aufgeklärten und kritischen Bürger“ entwickelt. Eine schöne Umschreibung für die Immfung der Deutschen mit antinationalem Gedankengut durch die Alliierten. Diese beiden Generationen hielten sich weitgehend im Gleichgewicht. Leider ist dieses Gleichgewicht durch den Wegfall der ersten Generation gestört worden. Damit sich ein gesundes deutsches Bewusstsein in der deutschen Bevölkerung bilden kann, wie beispielsweise in Frankreich oder Italien, bin ich der Sicht, dass auch die zweite Generation. Verschwinden muss. Besonders aus der Politik. Solange wir Politiker in Deutschland haben, die sich permanent selbst dafür geiseln Deutsche zusein und Verantwortung für Taten ihrer Vorväter übernehmen mit Sätzen wie „wir Deutschen sind schuld“, solange kann es keine innere Genesung der Deutschen geben. Denn wir Deutschen sind eben nicht schuld, wir Deutschen haben nichts getan und auch keine Möglichkeit gehabt etwas zuverhindern. Denn wir haben zu der Zeit nicht einmal existiert!

Wie kann es weiter gehen?

Aus meiner Sicht gibt es 2 Wege die deutsche Identitätskrise zu überwinden:

1. Die Zeit heilt alle Wunden. Wenn die aktuelle Politikergeneration ausgestorben ist und vielleicht auch noch die danach, kann eine Auseinandersetzung der Deutschen mit ihrer eigenen Identität frei von Altlasten geschehen.

2. Europa first. Wird Europa zu einer Gemeinschaft, die sich selbst eine Verfassungs gibt. Die von dem heutigen komplexen Gebilde zu einem einfachen, sich selbst als ein Volk begreifenden Mix der Kulturen wird. Dann kann der gepeinigte Deutsche, der sich selbst noch geiselt, wenn die anderen längst von ihm abgelassen haben, in einem neuen stolzen europäischen Bewußtsein aufgehen.

Fazit

Ich wünsche mir einen wirklich offen Dialog in Deutschland, ohne Tabus, ohne Stigmatisierung und Resontimants zum Thema „Wer sind wir“ und nicht „Wer dürfen wir sein“. Ich wünsche mir, daß sich jeder Deutsche zu Herzen nimmt, wie großartig, anstrengend und bewundernswert unser langer Weg zu unserem heutigen Deutschland gewesen ist. Das wir erkennen, dass wir noch nicht am Ende unseres Weges angekommen sind. Uns fehlt noch ein ganzes Stück und wir müssen dafür über die Doktrinen unserer Väter und Mütter hinaus wachsen.

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